Weltweit sind bösartige Tumorerkrankungen des Kopf-Hals-Bereichs heute die sechsthäufigste Krebserkrankung. Die meisten bösartigen Tumore im Kopf-Hals-Bereich werden erst in einem fortgeschrittenen Stadium entdeckt, was zu einer erheblichen Verschlechterung der Prognose führt. Die klassischen Behandlungsmethoden von Krebserkrankungen im Kopf-Hals-Bereich (meist Plattenepithelkarzinome) bestehen aus Chirurgie, Chemotherapie und Bestrahlung. Nur die interdisziplinäre Zusammenarbeit dieser Bereiche kann eine effiziente Eradikation der Mehrheit proliferierender Zellen eines bösartigen Tumors gewährleisten. 

Betrachtet man die „Brennpunkte“ Der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, in denen sich Forschung nicht nur lohnt, sondern zu unseren dringendsten Entwicklungsaufgaben gehört, so gehören unstrittig das Verständnis um die Pathophysiologie des Kopf-Hals-Karzinoms und die Ableitung neuer zielgerichteter Therapiekonzepte, sowie die stetige Optimierung bereits etablierter klinischer Behandlungsmethoden für unsere Patienten mit einem manifesten Krebsleiden im Kopf-Hals-Bereichs zu den wichtigsten Aufgaben.

Die aktuellen Daten der EUROCARE-4-Analysen dokumentieren in ernüchternder Weise die 5-Jahres-Überlebensraten von HNSCC-Patienten in Europa. Parallel hat sich die klinische Onkologie im Generellen auf vielen Ebenen weiterentwickelt. Für unser Fach bedeutsam sind neben den operativ-rekonstruktiven Verfahren, die Weiterentwicklungen der Strahlentherapie (intensitätsmodulierte Radiotherapie, IMRT; Schwerionenbestrahlung) und die Chemotherapie/“Targeted-Therapie (zielgerichtete Therapie)“. Angeregt durch die zunehmende Kompetenzzentrumsbildung nach den Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft bemühen wir uns um interdisziplinäre Therapieplanung in Tumorboards und verständigen uns überwiegend auf Basis weniger kontrollierter Studien und einer umfangreichen empirischen Tradition über das jeweils sinnvollste Behandlungskonzept. Hierbei wird immer wieder deutlich, dass wir nur spärlich verifizierte Konzepte für den einzelnen Tumorpatienten bereithalten, da der individuellen, hoch heterogenen Tumorbiologie, der im Einzelfall möglichen guten Response gegenüber multimodalen Therapieoptionen und der interindividuellen drastischen Unterschiede im Ergebnis bislang im Vorfeld keine Rechnung getragen werden kann.

Um die Therapie für unsere Patienten effizienter und zielgerichteter, sowie besser verträglich zu gestalten, wird in der Universitäts HNO-Klinik auf den Feldern der experimentellen wie auch klinischen Onkologie sehr intensiv geforscht.